Rochelt
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Rochelt: Edler Brand in Reinkultur

Unter den Alpen-Brennereien ragt Rochelt nicht nur optisch – mit seiner grünen Tiroler Zangenflasche – heraus: Seit einem halben Jahrhundert perfektioniert man in Fritzens das alte Destillier-Handwerk. Vom perfekten Obst bis zur Abfüllung vergehen zumindest zehn Jahre.

2. Juli 2024


Die ikonische Verpackung hat die Rochelt-Brände mindestens genauso bekannt gemacht wie der köstliche Flascheninhalt. © beigestellt

Zum Mythos vieler kalifornischer Weingüter gehört sie dazu: die Garage. Während sofort ein Bild von den ungestümen Zeiten des Aufbruchs entsteht, wenn man von einer „Garage Winery“ spricht, muss die Geschichte der österreichischen „Garagenbrenner“ noch geschrieben werden. Stolz führt etwa Manfred Wöhrer in Traun bis heute diese Bezeichnung, die Sulmtaler Distillery Krauss begann zwei Jahrzehnte später ebenso. Und auch die international bekanntesten Destillate aus Tirol haben ihren Ursprung neben Autos und Werkzeugen. Günter Rochelt war Koch, als er in den 1970ern in Fritzens bei Wattens erste Brennversuche in der Garage unternahm. Spätestens ab 1989 hatte er aber ein ehrgeiziges Ziel ­definiert – das österreichische Kulturgut mit dem wenig prestigeträchtigen Namen „Schnaps“ auf ein neues Qualitätsniveau zu heben.

Keine Kompromisse beim Obst

Rochelt-Schnaps zeichnet sich u. a. durch das schonende zweimalige Brennen der Obstmaische aus. © beigestellt

Die Gründung seiner gewerblichen Schnapsbrennerei fiel in die goldenen Jahre der heimischen Qualitätsdestillerien. Im Rückblick sieht es wie so oft einfach aus, dass sich Rochelt und seine Mitstreiter – wie Maximilian Schosser, Valentin Latschen („Pfau“), Alois Gölles oder Hans Reisetbauer – von der bisherigen Destillierpraxis abwandten. Nur Obst, das nicht verkauft werden konnte, landete damals im „Brennhafen“. Die Vorgabe von Günter Rochelt hingegen lautete anders: „Erlesenes Obst ist der Stoff, aus dem unsere Träume sind – es beherbergt das Geheimnis rund um den Genuss.“ Was nach einer hehren Maxime klingt, bestimmt in Fritzens aber seither die kompromisslose Produktion. Gattin Daniela unterstrich diesen hohen handwerklichen Anspruch noch unübersehbar. Anfangs stammte jedes einzelne der handgeschriebenen Rochelt-Etiketten von ihr. Dazu gehörte auch die Angabe von Jahrgängen auf den Destillaten, wie man sie aus der Weinwelt kennt – denn die Natur liefert keine Regelmäßigkeit.

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Gibt es nur eine kleine Ernte oder passt die Qualität nicht, dann fällt auch die Menge an Rochelt-Destillaten minimal aus – bis hin zum kompletten Verzicht auf eine Produktion. Umgekehrt hingegen hat man für die besten Jahrgangsbrände eine eigene Linie ent­wickelt. Die „Naturstark-Kollektion“ trägt einen glitzernden Zierstöpsel mit über 400 Kristallen, die von Swarovski im nahen Wattens stammen. Optisch sind die „Edelsteine“ der Destillation damit von Weitem erkennbar. Sie sind äußerst rar und kommen erst nach einer Lagerzeit von mindestens zehn Jahren in den Handel. Dass man sie bewusst hochprozentig (62 % vol. etwa beim „Gravensteiner Naturstark 2004“) belässt, ist eine Hommage an Günter Rochelt.

Ein „Unfall“ als Markenzeichen

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Denn der 2009 verstorbene Pionier war überzeugt, dass der höhere Alkoholgehalt, verbunden mit langer Harmonisierung der Edelbrände in Glasballons, die Aromen der Früchte am besten transportiert. Das Ideal eines doppelt gebrannten und lange gelagerten Rochelt-Brands ist „kraftvoll und komplex zugleich, dabei feinfruchtig und geschmeidig“. Dieser Linie folgt auch die zweite Generation, die Schwestern Julia, Teresa und Annia sowie deren Mann Alexander Rainer. Er arbeitete seit 2003 an der Seite seines Schwiegervaters und sorgt für Kontinuität bei den neuen klassischen Fruchtbränden (darunter Wachauer Marille, Quitte, Weichsel und Mirabelle), den Wildfrucht-Raritäten, aber auch den Schnapscuvées wie dem „Inntaler“. Dieser besteht aus einer separat destillierten, in einem geheimen Mischungsverhältnis „vermählten“ Komposition aus Himbeere, Quitte und Williamsbirne. Ebenfalls eine Hommage an Tirol stellt auch der „Kasteler“ (Vogelbeeren, Williamsbirnen, Pflaumen) dar. Er ist nach dem besonders guten Brand benannt, den man traditionell für „fensterlnde“ Verehrer im Kasten aufbewahrte.

Wie das Destillieren erfolgt auch das Anbringen der Etiketten – einst sogar selbst geschrieben! – manuell. © beigestellt

Die klare Verortung im Inntal trägt aber auch die „Verpackung“ in die Welt hinaus, die Rochelt unverwechselbar macht. Die Tiroler Zangenflasche stellte die Basis dar, wurde wie die Früchte bei Rochelt aber ebenso weiterveredelt. Entstanden ist dieser Flaschentyp im 18. Jahrhundert durch einen Unfall in der Glashütte von Hall, als ein Lehrling das noch nicht ausgehärtete Behältnis mit der Zange anfasste – es entstand eine beidseitige Einbuchtung, der „Nabel“. Dieses Design entwickelte Rochelt mit dem Innsbrucker ­Glaskünstler Alfred Ecker zur smaragdgrünen Ikone weiter, den Verschluss kreierte Goldschmied Otto Jakob. Diese edle Verpackung sollte auf die außergewöhnliche Qualität hinweisen, die man bis nach Taiwan und etwa auch in den USA schätzt. Und sie ist ein Markenzeichen geworden, das es auch als Miniatur­fläschchen (Füllmenge: 4 cl) in gleicher Form gibt.

Hochgradig und hochpreisig

Die reintönige Frucht ist das Ziel von Alexander Rainer, egal ob Vogelbeere, Williamsbirne oder Marille. © beigestellt

Dabei genießt Rochelt die Freiheit, die jeweils besten Früchte für die Destillate zu suchen. Die Wachauer ­Marille fällt einem als Österreicher dazu sofort ein, für Spirituosenkenner ist aber auch die Verwendung der „Basler Langstieler“ für den Kirschenbrand ein Qualitäts­ausweis. Denn die Schweiz als Hochburg des „Kirschli“ hat die perfekten Früchte zum Destillieren in ihren Obstgärten. Die Reihe ließe sich noch fortsetzen, etwa mit den Wildpflaumen aus dem Piemont, die während der Ernte täglich frisch gesammelt und nochmals von Hand sortiert werden.

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Doch im Grunde sagt Teresa Rochelt alles, wenn sie meint: „Kompromisslos und konsequent wollen wir den eingeschlagenen Weg unseres Vaters weitergehen.“ Damit verbunden ist aber auch der natürliche Alkoholverlust anstelle des Verdünnens mit Wasser. Mit diesen Reifezeiten (zwischen 10 und 19 Jahren!) im offenen Glasballon geht auch ein massiver Mengenverlust einher, den man als „Angels’ Share“ sonst eher aus der Whisky-Welt kennt. Diese kommerziell schmerzliche, aber qualitativ notwendige Produktionsmethode erklärt auch den Literpreis von 400 bis 1000 Euro. „Schnaps ist nicht nur etwas Hochprozentiges, er darf, ja, er muss auch hochpreisig sein!“, pflegte Günter Rochelt dazu zu sagen. Immerhin stecken je nach Frucht einmal 55 (Holunder) oder gar 100 Kilogramm (Schlehe) Obst in einem einzigen Liter des Edelbrands.

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Wer die sogenannte Schatzkammer (das Reifelager am Dach­boden der Brennerei) in Fritzens besucht, bekommt im Rahmen der Führung eine Ahnung vom gewaltigen Aufwand, der für eine einzige Flasche Edelbrand getrieben wird. 80.000 Liter reifen vor Ort, das bereits abgefüllte „flüssige Obst“ kann nach Anmeldung in der Tiroler Zirbenstube verkostet werden. Dort lernt man auch von Alexander Rainer, wie man eine hochprozentige Preziose verkostet: „Wir empfehlen, unser Glas nur bis zur Hälfte (1 cl, Anm.) zu füllen und das Destillat mehr zu nippen als zu ‚kippen‘ – denn der perfekt aufbewahrte Geschmack der Frucht findet sich ohnehin in jedem Tropfen!“

Brennerei Rochelt
Innstrasse 2, 6122 Fritzens, Österreich
Tel.:
+43 5224 52462
Web:
rochelt.com

Dieser Artikel erschien in der Falstaff TRAVEL Ausgabe Tirol Spezial 2024.

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