Alchemist Kopenhagen
© Søren Gammelmark / @gammelmarkphoto

Das ist das angesagteste Restaurant der Welt

50 Gänge, 7 Stunden und kaum eine Chance auf Plätze: Das "Alchemist" in Kopenhagen sorgt derzeit in der Foodie-Szene für Wirbel.

13. Juli 2023


Auf der Liste der "50 World's Best Restaurants" hat es das "Alchemist" in Kopenhagen "nur" auf Platz 5 geschafft. Doch das tut dem Hype um das dänische Restaurant keinen Abbruch. Foodies kommen aus aller Welt, um sich dem Erlebnis in der ehemaligen Schiffswerft hinzugeben. Sie nehmen dafür lange Wartezeiten in Kauf. Das "Alchemist" gilt derzeit als jenes Lokal, in dem am schwierigsten ein Platz zu reservieren ist. Doch warum? Was macht das Restaurant so besonders – abgesehen von seinen beiden Michelin-Sternen?

Alchemist Kopenhagen

© Søren Gammelmark / @gammelmarkphoto

 

Essen als Erlebnis

Schon bevor überhaupt der erste Gang auf dem Teller landet, gibt es Grund genug, zu staunen. Denn das Restaurant in Refshaleøn verbirgt sich in einer verlassenen Industriegegend. Und hinter einer bronzenen Tür, die zwei Tonnen wiegt. Als würde man Alice ins Wunderland oder Bilbo durch Mittelerde folgen, landet man auf deren anderen Seite in einem (kulinarischen) Märchenland.

Alchemist Kopenhagen

© Søren Gammelmark / @gammelmarkphoto

 

Das Setting ist anders, als in irgendeinem anderen Lokal der Welt. Das Essen an sich ebenfalls. Es wird wie eine Reise an unterschiedlichen Räumen eingenommen. Unterteilt in "Acts", so als würde man ins Theater gehen. Ob das Essen oder doch die Location die Hauptrolle spielt, ist dabei nicht ganz so sicher. Fest steht: Chef Rasmus Munk zieht in Sachen Kunstfertigkeit alle Register.

Alchemist

© Søren Gammelmark

Dinner-Dramatik

So nimmt man das Essen teilweise unter einer Kuppel ein, die als Fläche für wechselnde Grafiken dient. Dennoch überstrahlt das Rundherum jene Sache nicht, für die man eigentlich kommt: das Essen. Auch das ist schon in seinen schieren Zahlen dramatisch. 50 Gänge umfasst das Menü. Dafür sollte man sich so um die 7 Stunden Zeit nehmen. Und mit Kosten von € 660,− pro Person (ohne Getränke und Trinkgeld) rechnen. Entsprechend reserviert man nicht einfach. Man muss sich auf einer Warteliste für Tickets registrieren. Angeblich ist die Warteliste dafür fünfstellig.

Alchemist Kopenhagen

© Kim Høltermand

Dafür gibt es aber Gerichte, die in Zusammensetzung und Präsentation ihresgleichen suchen. Munk kreiert moderne Gerichte, die ausschließlich aus den besten Zutaten, die der renommierte Chef finden kann, zubereitet werden. Verschiedene Kaviar-Sorten kommen dabei ebenso zum Einsatz wie in Bienenwachs gealtertes Täubchen und ungewöhnliches Geschirr

"Deep Dishes"

Jeder Gang hat dabei eine tiefere Bedeutung. Und das ist Munk - bei allen Äußerlichkeiten, die das Dinner ausmachen - wichtig. So ist ein riesiges, kaviargefülltes Auge eine Hommage an George Orwells "Brave New World". Es soll zum kritischen Nachdenken über Medien und Überwachung anregen. Essbares Plastik macht auf die Zerstörung von Ozeanen durch Müll aufmerksam. Und dass es in der Kakao-Industrie einen großen Anteil an Kinderarbeit gibt, daran erinnert ein sargförmiges Schokoladentäfelchen. 

Alchemist Kopenhagen

© Claes Bech Poulsen
 

Klingt nicht nach Spaß? Auf seiner Website bittet das Restaurant jedenfalls darum, mit einer offenen Einstellung zu kommen. Und vielleicht nicht das erste Date oder ein Business Meeting hier abzuhalten. Schließlich ist die "Alchemist" Kopenhagen Erfahrung eine, die alle Sinne anspricht. Und eine physische wie palpable Reise sein soll.

Alchemist Kopenhagen

© Claes Bech Poulsen

Munk jedenfalls macht das Beste aus dem Hype. Er benutzt ihn, um Spenden für Obdachlose zu sammeln und setzt sich für sauberes Trinkwasser in afrikanischen Ländern ein. Wer auf den Geschmack gekommen ist, kann sich auf der Website des Restaurants für die Warteliste registrieren.

Alchemist
Refshalevej 173C, 1432 København K, Dänemark
Tel.:+45 31 71 61 61
Web:
alchemist.dk
Preis: Menü ab ca. € 660,− pro Person ohne Getränke

 

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