Moretti
© Andreas Balon
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Tobias Moretti: Wanderer zwischen Welten

Tobias Moretti ist Bühnenstar, Filmgröße, Fernsehliebling – aber auch Bio-Landwirt, und obendrein Tiroler. Im Exklusivinterview spricht er über ­Heimat, Familie und Klimaaktivismus.

29. Mai 2024


Tobias Moretti ist Fernseh-, Film- und Theaterschauspieler, hat Komposition studiert und ist diplomierter Landwirt.© Tobias Soskic

Wie kam die Schauspielerei in Ihre Familie – konkret: zu Ihnen?
Meine Mutter kam aus einer kunstsinnigen und sehr musikalischen Familie: Ihr Vater war Schulleiter und spielte daneben im Streichquartett, meine Tante war Opernsängerin, Professorin und mit dem Schauspieler Hugo Lindinger verheiratet. Ende der 70er-Jahre wurde dann in Innsbruck von Joschi Kuderna das Kellertheater gegründet, das war für uns so etwas wie die erste Bühnenheimat und -erfahrung. Im ­Anschluss habe ich das Glück gehabt, dass man mich an der renommierten Falckenberg-Schauspielakademie aufgenommen hat, und damit begann eigentlich erst meine wirkliche Beschäftigung mit der Materie.

Hatten Sie als großer Bruder eine Vorbildfunktion in Ihrer Familie?
Ich war die Nummer zwei und brauchte kein Vorbild zu sein – dazu hätte ich auch nicht getaugt, glaube ich.

Vier Saisonen lang war Tobias Moretti in der Titelrolle von Hugo von Hof­mannsthals „Jedermann“ zu sehen. ©  Matthias Horn

Wie war Ihr Gefühl, als sich auch Ihre Tochter Antonia für den Schauspielerberuf entschied?
Keine Entscheidung meiner Kinder, was diesen Beruf angeht, habe ich in irgendeiner Weise angestoßen oder forciert. Im Gegenteil, bis zum Ende der Volksschule hatten die keine Ahnung von meiner öffentlichen Wahrnehmung. Antonia hat durch Zufall im Maturajahr in einem Film mit­gespielt, und durch den Kameramann Thomas Kiennast hat sie dann zwei Jahre später die „Camorra“-Rolle bekommen, die sie wunderbar gespielt hat. Sie hat trotzdem ihr Studium beendet, und nun lebt sie in Berlin und dreht Filme. Mein Sohn Lenz, der ja vorher eine Spenglerlehre absolviert hat, hat danach in Frankfurt Schauspiel studiert und ist nun im Ensemble des Deutschen Theaters Berlin. Begabung, der Drang zum Spiel, das Muss, die Freude daran, all das war bei beiden schon früh sichtbar und offensichtlich auch nicht zu stoppen. Unserer jüngsten Tochter Rosa schwärme ich täglich von den Freuden der Landwirtschaft vor, um das Schlimmste zu verhindern (lacht).

 

„Keine Entscheidung meiner Kinder, was diesen Beruf angeht, habe ich in irgendeiner Weise angestoßen oder forciert.“

 

Bühnenstar versus Biobauer: Sie bewirtschaften gemeinsam mit Ihrer Frau einen 400 Jahre alten Bauernhof. Wie passt das zusammen? Gab es einen Schlüsselmoment für diese Entscheidung?
Also wenn im Sommer bei uns Hochbetrieb in der Landwirtschaft und gleichzeitig Hochsaison in meinem Beruf ist – ob im Theater oder im Film – und meine Frau dann auch noch Konzerte spielt, merke ich, dass es eigentlich ein Kraftaufwand in zwei Berufen ist, die nicht wirklich zusammenpassen. Es geht auch manchmal über die Grenzen. Aber jede Medaille hat zwei Seiten, und solange wir als Familie dieses Leben Schulter an Schulter so meistern können, ist es auch ein Glück und eine Perspektive auf Generationen.

Privat betreibt der Schauspieler mit seiner Frau Julia einen 400 Jahre alten Biobauernhof in Tirol. © Andreas Balon

Wie stehen Sie zum Thema Klimaaktivismus?
Bei allem Verständnis und aller Sympathie für jugendliches Engagement macht mir die zunehmende Radikalisierung der Klimabewegung deshalb Sorgen, weil sie zu genauso radikalen Gegenpositionen und zu Verhärtungen auf allen Seiten führt und deshalb für das Klima unterm Strich keine wirkliche Analyse herauskommt. Das Verkehrsproblem, besonders der Schwerverkehr, wird durch die Exportstützen der EU potenziert, dagegen müsste man konkret vorgehen in der Forderung. Aber das heißt auch Einschränkung in unserem Konsumverhalten – auch für diese Generation, Stichwort Amazon und dergleichen. Genauso bei unserer Einstellung zum Energieverbrauch: Wir tun nach wie vor, als ob es kein Morgen gäbe, Lichtverschmutzung und Ähnliches. Aber ein Luxus-E-Auto ist da weder Hilfe noch Bekenntnis. Und Klima­schutz bringt nur dann was, wenn viele mittun.

Wie hat Ihre Heimat Tirol Sie als Schauspieler beeinflusst?
Meine Heimat hat mich beeinflusst und beeinflusst mich noch immer. Dieser Wesenszug hat sicher zwei Seiten, aber ich bin der Überzeugung, dass sowohl meine Sehnsucht woandershin als auch meine Verwurzelung der Treibstoff meiner künstlerischen Arbeit und meines Lebens sind. Auch bin ich froh, in so einer lebenskulturellen Vielfalt aufgewachsen zu sein.

Der prachtvolle Moretti-Hof in Ranggen dient als Rückzugsort, bedeutet aber auch viel Arbeit. © Andreas Balon

Was macht Tirol aus, was die Menschen?
Ich weiß gar nicht, ob ich das benennen kann, dazu fehlt mir die Distanz. Tirol ist mein erster Eindruck und wird auch mein letzter sein. Dazwischen habe ich das Privileg, eine unglaubliche Mannigfaltigkeit an Leben haben zu dürfen, als Wanderer oder Surfer zwischen den Welten.

 

„Tirol ist mein erster Eindruck und wird auch mein letzter sein. Dazwischen habe ich das Privileg, eine unglaubliche Mannigfaltigkeit an Leben haben zu dürfen.“

 
Welche Tiroler Speise können Sie selbst zubereiten?
Bei entsprechender Unterstützung so ziemlich alle; immer eine Frage des Wollens. Aber die Küche und das Essen haben in unserer Familie seit jeher einen existenziellen Stellenwert.
 
Ihre Lieblingsjahreszeit?
Es ist einmalig, wenn man bei uns im April von einer Frühlingsskitour kommt und die Obstbäume kurz vor der Blüte stehen. Das ist wie beim Osterspaziergang in Goethes „Faust“: „Vom Eise befreit sind Strom und Bäche“ und so weiter. Und dabei zwei Stunden von Verona weg, und gute vier Stunden vom Mittelmeer! 

Auf seinem Biobauernhof gibt es artgerecht gehaltene Tuxer Rinder, Hühner und einen Bio-Gemüseanbau. © Andreas Balon

Wo sind Ihre Kraftorte in Tirol?
Kraftorte … hm … also mit solchen Begriffen habe ich relativ wenig zu tun, weil sowohl das äußere als auch das innere Leben ständig bewegt ist. Wenn etwas gelungen oder eine Arbeit getan ist, gibt es Augenblicke der Ruhe, der Erfüllung; das sind dann aber Momente, die überall stattfinden können.
 
Gibt es für Sie eine Neuentdeckung in Tirol?
Wenn es das gäbe, würde ich es Ihnen nicht sagen, damit nicht alle hinrennen. Der Tourismus ist geneigt, sich selbst immer wieder mit viel Aufwand zu übertreffen, aber oft reicht’s ja auch, das, was schon da ist, neu zu entdecken.
 
Welches Buch haben Sie zuletzt gelesen?
Im Moment lese ich „Welche Grenzen brauchen wir?“ von Gerald Knaus. Und außerdem bin ich schon in der ersten Vor­bereitung für den „Zerbrochenen Krug“ bei den Tiroler Volksschauspielen.

Die Natur und seine Heimat Tirol liegen Tobias Moretti sehr am Herzen – daher setzt er sich für Umweltschutz ein. © Andreas Balon

 Sonne, Strand und Meer: Gibt es für Sie auch so etwas wie Urlaub?
Wenn ich etwas mit dem Meer verbinde, ist es meist unser mediterranes. Da genügt es mir oft, wenn ich einfach ein paar Tage dorthin verschwinde. Ich habe auch kein wirk­liches Bedürfnis, unserem Zyklus der Jahreszeiten ent­gegenzusteuern und im Winter irgendwo hinzufliegen.
 
Was darf in Ihrem Koffer niemals fehlen?
In meinem Koffer fehlt immer irgendwas.
 
Woran arbeiten Sie zurzeit? Worauf dürfen wir uns heuer noch freuen?
Meine nächste Filmarbeit wird wahrscheinlich mit Jan Georg Schütte sein. Und wie gesagt beginnen bald die Vor­bereitungen zum „Zerbrochenen Krug“ bei den Volksschauspielen, mit Corinna Harfouch, Harald Schrott und anderen, Regie wird Anna Bergmann führen – tolle Kollegen, auf die Proben bin ich schon sehr gespannt und freue mich! 

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