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Ausgabe Sommer 2021

Die schönsten Hotels, die besten Beaches, Island Hopping auf Griechenland und City Popping in Europas spannendsten Städten – das Falstaff TRAVEL Magazin präsentiert die besten Tipps für das langersehnte Reise-Comeback in 2021!

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World of Wellness

Ein Spa-Knigge von Helsinki bis Tokio: Was beim Wellnessen in welchem Land zum guten Ton gehört...

24. November 2021


Andere Länder, andere (Wellness) Sitten: In Japan kann einem Besuch in einer heißen Quelle („Onsen“) schon einmal eine Körperrasur vorausgehen, die Inder schwören auf ölige Ayurveda Kopfmassagen, während die Russen in der Banja gerne auch Freunde treffen oder Geschäfte abwickeln. Außerdem vergessen sie selbst in heißen Stunden selten auf ihr allerliebstes Banja Utensil: den Saunahut. Hingegen lieben es die Amis esoterisch, die Skandinavier schmerzerfüllt; Freizügigkeit ist auch nicht überall gefragt. Dass es im Wellnesssektor nicht überall auf der Welt gleich zugeht, sondern verschiedene Sitten und Gebräuche herrschen, war eigentlich zu erwarten. Es gibt aber eine ganze Reihe höchst interessanter, lustiger und teils skurriler Bräuche. Diese Erkenntnisse sind für geplante Wellnessanwendungen rund um den Erdball äußerst hilfreich: Schließlich sollte Wellness dem Wohlbefinden und der Entspannung dienen – und dem Anwender relaxte Momente ohne peinliche Fauxpas und unbewusste Gesetzesverstöße bescheren.

Japan

Allgegenwärtige "Onsen" - und eine besondere Maniküre

Im Land der aufgehenden Sonne gehören Onsen – heiße Quellen, die zu Badestellen inklusive Häusern umfunktioniert wurden – zum typischen Landschaftsbild. Über 2000 Onsen gibt es in Japan, dementsprechend ist ein Bad darin auch Alltagskultur und gehört zur typischen Entspannung nach der Arbeit. Dabei gilt es, sich vor dem Eintauchen in ein OnsenBecken gründlich zu reinigen, immerhin darf das wertvolle Wasser, das aus einer vulkanischen Quelle kommt, nicht verunreinigt werden. Regeln spielen dementsprechend eine zentrale Rolle in dieser fernöstlichen Wohlfühloase: Die Räumlichkeiten, die meist aus einem Außen- sowie Innenbereich mit jeweiligem Becken bestehen, sind nach strikten harmonischen Vorgaben geplant und arrangiert, beim Aufenthalt im Bad ist nur ein traditioneller japanischer Bademantel, Yukata genannt, erlaubt. Beim Baden selbst gilt es, sich zu entkleiden, Bäder für Herren und Damen sind meist auch getrennt. In manchen Onsen ist eine Körperrasur vorgeschrieben – Japaner legen besonderen Wert auf haarlose Beine und Achseln. Pech haben leider tätowierte Menschen: Für Träger dieser Körperkunst ist der Zutritt zu vielen Onsen verboten, denn in Japan werden Tätowierungen mit Kriminalität und der Yakuza, der japanischen Mafia, in Verbindung gebracht. Weil der Besuch in einem Onsen auch gesundheitliche Vorteile mit sich bringt (ausgenommen sind Menschen mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen!) und je nach mineralischer Zusammensetzung auch Krankheiten heilen kann, erfreut er sich auch bei Touristen großer Beliebtheit. Sehr angesagt – und das ebenfalls längst über die Landesgrenzen hinaus – ist auch die japanische Maniküre. Bei dieser Methode, die gerade einen weltweiten Hype erlebt, wird die Gesundheit des Nagelbetts nicht zugunsten der Ästhetik vernachlässigt: Die sanfte Art der Maniküre verzichtet ausnahmslos auf Chemikalien, stattdessen werden die Nägel auf spezielle Art und Weise poliert, um ihnen so einen perfekten rosa Schimmer und einen gesunden Look zu verleihen.

Badekultur mit Tradition: Weil Japan auf vulkanischem Gebiet steht, gibt es sehr viele heiße Quellen, die schon lange genützt werden. ©GettyImages

Russland

Die Banja ist eine Lebensphilosophie

Gleich vorweg: Das, was sich Mitteleuropäer unter Sauna vorstellen, wird in Russland und benachbarten Ländern wie beispielsweise Estland Banja genannt; natürlich gibt es aber kulturelle Unterschiede. Die Banja hat eine sehr lange Tradition und einen außergewöhnlich hohen Stellenwert. Während die urbane Bevölkerung öffentliche Banjas in Ballungszentren aufsucht, verfügt die ländliche Bevölkerung oftmals über eine eigene, aus Holz gebaute Banja im Garten. Unter einer Banja, die längst zum wichtigen Teil der russischen Tradition aufgestiegen ist, versteht man ein einer finnischen Sauna ähnliches russisches Dampfbad sowie ein traditionelles russisches Badehaus. Einer der wesentlichsten Unterschiede zur europäischen Sauna ist die deutlich höhere Luftfeuchtigkeit in Banjas, die diesen Punkt betreffend schon eher einem Hamam ähnelt als einer finnischen Sauna. Für die Russen und in den umliegenden Ländern dient ein Besuch in einer Banja aber viel mehr als nur der Erholung: Es ist eine Lebensphilosophie und ein wichtiges gesellschaftliches Ritual. Hier geht es um die Pflege sozialer Kontakte, und es kann schon einmal vorkommen, dass in der Banja Geschäfte abgesegnet werden. Auch gibt es vielerorts einen „Banja Saturday“ oder „Banja Sunday“, an dem sich Familienmitglieder oder Freunde zum gemeinsamen Banjabesuch treffen. Nicht unerwähnt bleiben soll der psychologische Aspekt: Alles sollen hier in Einklang gebracht werden. „Eine Banja reinigt Körper und Seele“, mit diesem Satz beschreiben die Russen einen Aufenthalt in ihrem beliebten Dampfbad. Interessant ist auch der Einsatz des sogenannten Wenik („Besen“, „Birken rute“), der für Banjagänger eine enorme Bedeutung hat. Während sich die Skandinavier meist mit echten Birkenruten malträtieren, sind es in Russland besenähnliche Hilfsmittel. Auch der Wenik wird benutzt, um den Körper damit abzuklopfen und die Blutzirkulation anzuregen; so entsteht ein Gefühl der Entspannung. Aber keine Angst: Das Schlagen mit frischen oder gut eingeweichten Weniks ist schmerzfrei, ja sogar angenehm. Ein weiteres Markenzeichen, das es auch in Finnland gibt, sind Saunahüte, welche die Russen nur allzu gern tragen. Es gibt sie in sämtlichen Designs und Materialien, vorwiegend bestehen sie aus Filz. Sie haben eine wichtige Schutzfunktion für Ohren und Kopf.

Gut ausgerüstet. Auf das Equipment kommt es an: Filzhut und Birkenrute dürfen in einer Banja nicht fehlen. Auch auf Bademode wird nicht verzichtet. ©Ekaterina Kondratova/Shutterstock

Finnland

Die Heimat der Sauna

Finnland ist als das Land der tausend Seen und als Heimat der Sauna bekannt. Was in Mitteleuropa als luxuriöses Wellnessextra angesehen wird, ist in dem skandinavischen Land elementarer Bestandteil der gesamten Kultur. Einst wurden sogar Babys in Saunen geboren, da die Sauna der einzige Ort war, an dem es warmes Wasser gab, und noch heute ist es üblich, dass Eltern mit ihren Kindern schon früh die Sauna aufsuchen. Die klassische Sauna befindet sich in Finnland in einem separaten kleinen Holzhaus, das sich möglichst in der Nähe eines Gewässers befindet. Saunen gibt’s in Finnland definitiv an allen Ecken – genau genommen kommen rein rechnerisch gesehen auf eine Sauna weniger als drei Finnen. Auch die Nordländer treffen sich, wie die Russen, gern in der Sauna, egal, ob zur Familienfeier oder zum Geschäftsmeeting. Es gibt sogar ein eigenes Gästebuch für die Sauna, Saunahkirja genannt, in dem Gäste Anekdoten oder Dankesgrüße hinterlassen. Üblich ist in Finnland auch das Mitbringen von Birkenzweigen in die Sauna: Um den Effekt des Schwitzens zu steigern, klopfen sie ihre Haut während des Saunagangs mit Birkenruten. Auch Alkohol in der Sauna ist hier nicht ungewöhnlich. Typisch für die finnische Sauna sind aber die hohen Temperaturen: So schwitzt man traditionell bei 85 bis 110 (!) Grad und sehr geringer Luftfeuchtigkeit. Durch die Wasseraufgüsse, die nicht fehlen dürfen, wird die Luftfeuchtigkeit erhöht, was wiederum das Schwitzen ankurbelt. Abkühlung, eines der wichtigsten Elemente des Saunierens, finden die Finnen vorzugsweise im nahe gelegenen See – davon gibt es im Land der tausend Seen ja genügend zur Auswahl …

Türkei

Orientalische Badekultur: Hamam

Das Hamam ist ein fester Bestandteil der islamischen Bade­ und Wellnesskultur. Sowohl Männer als auch Frauen besuchen das türkische Bad, dessen Tradition weit ins Byzantinische Reich zurückreicht. Im Fokus dieser Badekultur steht die Entspannung durch Wasserdampf und eine anschließende Massage mit Seifenschaum. Das Wort kommt übrigens aus dem Arabischen, „hamma“ bedeutet „aufheizen, erhitzen“. Der Anwendungszweck hat sich allerdings im Lauf der Zeit verändert: Während das türkische Bad heute vorwiegend der Entspannung dient, war der Besuch eines Hamams früher wichtiger Bestandteil des sozialen Lebens. Selbst zu Festen wie Hochzeiten traf man sich hier. Interessant ist die Temperatur: Sie erreicht „nur“ etwa 50 Grad. Dafür ist aber die Luftfeuchtigkeit hoch, sie bewegt sich sogar um die 100 Prozent – vielleicht ein Grund dafür, weshalb die Bänke nicht aus Holz, sondern aus Stein, oftmals Marmor, sind. Um sich zu akklimatisieren, beginnt man im am wenigsten beheizten Bereich des Hamams, um dann in der Mitte vom Personal (Frauen von weiblichem, Männer von männlichem) eingeseift, abgerieben, massiert und enthaart zu werden.

Mehr Ritus als Kult. Aufgrund der Wichtigkeit der Gesamtwaschung im Islam wurden Hamams zumeist an Moscheen angebaut. ©GettyImages

Dieser Artikel erschien in der Falstaff TRAVEL Ausgabe SPA Special 2021.

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