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Ausgabe Sommer 2021

Die schönsten Hotels, die besten Beaches, Island Hopping auf Griechenland und City Popping in Europas spannendsten Städten – das Falstaff TRAVEL Magazin präsentiert die besten Tipps für das langersehnte Reise-Comeback in 2021!

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© Stocksy
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Die Reise zum Ich

Die Pandemie hat etwas auf den Weg gebracht, das sich bereits vorher abzeichnete: Die Selbstwahrnehmung hat sich verändert. Wellness fällt in diesem Kontext eine neue Gewichtung zu, Schönheit wurde zugunsten von Ausstrahlung eingetauscht. Wellbeing und Happiness sind das Mantra der Stunde.

20. Januar 2022


Die letzten zwei Jahre haben viel Gelerntes auf den Kopf gestellt, und dies auf allen erdenklichen Ebenen. Im Wellness-Sektor haben sie eine Veränderung vorangetrieben, die sich bereits zuvor abzeichnete, in der Pandemie aber Fahrt aufgenommen hat. Extrinsische Faktoren greifen da mit intrinsischen ineinander, Bedürfnisse werden anders gelebt und auch das Bewusstsein, was Wellness inkludiert bzw. überhaupt bedeutet, hat sich verändert. Lisa Marie Stangier, Spa-Managerin im Fünf-Sterne-Superior-Haus „Interalpen-Hotel Tyrol“, konstatiert etwa einen „Trend hin zum aktiven Selbst. Im Wellnessbereich steigt das Bewusstsein, dass man selbst etwas beitragen kann, sei es durch Bewegung oder Achtsamkeitstraining.“ Das Haus hat eine lange Tradition, hier lassen sich Veränderung und Kontinuität gut beobachten. Das gilt auch für Kuzbari, ein renommiertes Zentrum für ästhetische Medizin in Wien, das mitten im schicken ersten Bezirk seine Patienten auch in der Mittagspause für Microneedling oder andere minimalinvasive Behandlungen einbucht, wie man sie teilweise auch in einigen erstklassigen Spas findet. Fragt man hier nach, erfährt man, dass die Nachfrage an solchen Behandlungen deutlich gestiegen ist, und dass sie mittlerweile von Frauen und Männern gleichermaßen gebucht werden. Vor Kurzem noch unvorstellbar – woher kommt das also?

Moderne Menschen, moderne Bedürfnisse

Die Selbstwahrnehmung, wie von Lisa Marie Stangier bereits angerissen, hat sich verändert. Dermatologin Dr. Golnaz Delir vom Kuzbari-Zentrum teilt im Interview eine spannende Erkenntnis: „Die sozialen Medien haben den Blick auf das Ich sehr verändert, vor allem die Filter haben ein anderes Bild bewirkt. Viele Patienten haben eine Idealvorstellung von sich gewonnen, die nicht der Realität entspricht. Im letzten Jahr kam dann eine neue Komponente dazu: Zoom-Meetings. Viele Menschen waren erstmals mit ihrem sprechenden, argumentierenden Ich konfrontiert – das hat ebenfalls etwas verändert. Deshalb geben wir unseren Patienten als Allererstes einen Spiegel in die Hand, weil wir zuerst einen Realitätsabgleich machen müssen.“ Dieses veränderte Selbstbild mag der Pandemie geschuldet sein, genauso wie der aktuelle Drang nach individueller Bedürfnisbefriedigung; abgezeichnet hat sich das aber bereits viel früher. Schönheit als positives Paradigma wurde von Ausstrahlung abgelöst. Kaum ein Spa oder medizinisches Zentrum wirbt noch mit einem „schönen Ergebnis“. Alles muss griffiger werden, die Menschen wünschen sich konkrete Ergebnisse. Dementsprechend verwundert es nicht, dass der Begriff Wellness per se zu unscharf wirkt. Menschen, so bestätigen viele Studien und auch der Global Wellness Summit, wünschen sich echte Aufmerksamkeit, individuellen Umgang und Service mit konkreten Ergebnissen – sowie Erlebnisse, die sie selbst miteinbeziehen.

©GettyImages

Raumgestaltung

Inklusion endet aber nicht bei der aktiven Mitgestaltung des Gastes oder Patienten, sondern schließt auch die Natur und die Räumlichkeiten, in denen etwa eine Behandlung oder eine Session stattfindet, ein. Einige Hotels haben das bereits verstanden und ihre Retreats nach außen hin geöffnet und vor allem das Spa vom Keller nach oben geholt. Ein gutes Beispiel dafür sind etwa die Häuser der Gruppe Six Senses, aber auch der Tiroler Ausnahmegastgeber Balthasar Hauser vom BiohotelStanglwirt“ verstand schon früh, dass die Größe eines Pools allein nicht ausschlaggebend für eine gelungene Wasserlandschaft ist – sein Haifischbecken war legendär und ein prominentes Aushängeschild eines stimmigen Konzepts, das Wellness mit allen Sinnen erlebbar machte. Das Interieur spielt eine immer herausragendere Rolle und verschmilzt quasi mit den Anwendungen zu einem großen Ganzen. Auch Indoor-Outdoor-Erlebnisse wachsen zusammen; Farbe wird nicht nur für dekorative Wandgestaltung genützt, sondern auch für therapeutische Zwecke. Wellness-Destinationen werden immer mehr Orte für „Emotional Healing“, ebenfalls befeuert von der Pandemie. Architektur darf auch spirituell sein – hier greift der Trend zu den „Holistic Spas“, die vielleicht anfangs mehr eine Blase waren bzw. zu schwammig in ihrem Konzept, sich heute aber in konkreten Behandlungen, die Körper, Geist und Seele in Einklang bringen, manifestieren. Auch das ist Raumgestaltung, nur eben auf einer Metaebene.

Von Möglichkeiten und Voraussetzungen

Quasi als Gegenbewegung zum Trend der Holistic Spas formieren sich aktuell neue Hightech-Anwendungen, die den Therapeuten durch Geräte ersetzen und für effizienzorientierte Menschen geeignet sind, die einfache Wege zu schnellen Ergebnissen suchen. Und wie könnte es anders sein, gibt es dazu auch einen Gegentrend: Proportional ähnlich dazu steigt die Nachfrage nach High-Touch-Anwendungen. Lisa Marie Stangier vom „Interalpen-Hotel Tyrol“ meint dazu: „Es geht immer mehr um individuelle Aufmerksamkeit, echten Kontakt und echte Zuwendung.“ Differenzierung und Individualisierung sind, das wird hier deutlich, das Gebot der Stunde. Das kann auch Dr. Golnaz Delir vom Kuzbari-Zentrum bestätigen: „Früher gab es eine Standard-Nase in der plastischen Chirurgie, heute sind es viele.“ Die technischen Möglichkeiten werden ebenfalls immer größer, die Sicherheit des Patienten steht ganz vorne – und zeitgleich kommt vergessenes Wissen zurück, liegen Anwendungen im Trend, die mit ganz natürlichen Ingredienzien arbeiten. Und die Industrie schießt nach: Nicht bloß die Technik verbessert sich stetig, es kommen nicht nur auf einem hochprofessionellen, medizinischen Level immer neue Methoden, Geräte etc. dazu, sondern auch auf einem eher lifestyligeren Niveau. Wer einen Einblick in den Kosmos Wellness „on a higher level“ bekommen möchte, muss sich mit der Lifestyle-Website „Goop“ von Gwyneth Paltrow vertraut machen (von ihr stammt übrigens obiges „Higher level“Zitat): Die Mischung aus journalistisch aufbereiteten Themenbereichen plus tatsächlich sehr praktischen Tipps plus Shopping diverser Obskuritäten (Stichwort Vagina-Duftkerze!) gibt einen guten Abriss aktueller Strömungen im Mainstream bzw. in der Branche insgesamt wieder.

Gesunder Lifestyle

Am Ende des Tages kommt es aber immer noch auf einen selbst an. Wellbeing und Happiness sind mehr als Schlagworte in der Branche, sie haben mittlerweile fast religiösen Charakter – es steckt nicht umsonst das Wörtchen „Heil“ in „Heilung“. Das Bedürfnis nach ganzheitlicher Heilung ist enorm, Veranstalter beobachten einen Boom an Medical Spas und auch, dass die Aufenthaltsdauer immer länger wird. Die meisten Gäste planen einen Besuch in einem Medical Spa mittlerweile jährlich ein; nicht nur wegen der körperlichen Fitness, sondern auch wegen der mentalen. Häuser wie das Mental-Spa Fritsch oberhalb von Bregenz haben vor einigen Jahren dahin gehend eine Führungsrolle eingenommen und erkannt, was heute langsam in die Breite durchsickert: Es gibt keine körperliche Gesundheit ohne geistige. So gibt es mittlerweile auch Häuser wie etwa „Budersand“ auf Sylt, wo man seinen Urlaub mit einer Paartherapie verknüpfen kann. Warum man das lieber im Urlaub macht als zu Hause, ist naheliegend: In der Fremde traut man sich mehr, in einem geschützten Umfeld sowieso. Dominik Babel, Inhaber der Agentur Elegant Travel, betont: „Eine Spa-Erfahrung hat auch etwas mit Abgeschiedenheit zu tun. In einem schönen, entlegenen Umfeld lässt man auch gerne Neues zu.“ Neues zuzulassen und zu probieren passt in dieses Konzept der Selbstwahrnehmung. Warum sich nicht neu erfinden, wie man es bereits dank der Filter auf Instagram tun kann? Wie das geht, beweisen eben auch Stars wie Gwyneth Paltrow: Die Oscar-Preisträgerin ist einer jüngeren Generation nicht mehr als Schauspielerin, sondern ausschließlich als Wellnessguru ein Begriff. 

Best of Treatments

  • Hightech-Treatments
    Hypoxy-Anwendungen, Kryotherapie-Gesichtsmasken und Normatec-Boots sind aktuell State of the Art. Dazu gesellen sich Kältekammern und neue Geräte wie das „MLX i³Dome“, wie es etwa bereits im „Palazzo Fiuggi“ verwendet wird.
  • High-Touch-Treatments
    Der Wert echter Berührung wird aktuell wieder viel mehr geschätzt. Es werden keine Anwendungen mehr durchgeführt, sondern Rituale zelebriert – ein gutes Beispiel dafür ist die Lomi-Lomi-Massage.
  • Holistische Anwendungen
    „Holistisch“ ist das Schlagwort der Stunde, und auch, wenn jedes Spa diesen Begriff ein wenig anders definiert, geht es doch immer um die Kombination aus Geist, Körper und Seele. Behandlungen wie Sound Healing und die Kraniosakraltherapie sind ideal geeignet für Skeptiker. Dazu gesellen sich Therapieformen, die es schon lange gibt, die aber im esoterischen Eck beheimatet waren, wie etwa die Aroma- und Farbtherapie.
  • Balancing statt Boosting
    Ein großer Trend der letzten Jahre sind Infusionen. Auch, wenn sie einen Instant-Effekt liefern, sind sie gerade langfristig gesehen besonders gesundheitsfördernd. Als neue Kraftquellen neben Sport rücken Atemtechniken und Meditation immer mehr in den Fokus.

©Tyso Sadlo

Dieser Artikel erschien in der Falstaff TRAVEL Ausgabe SPA Special 2021.

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