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© Richard James Taylor
DestinationsExperiencesLuxus

Luxus auf Schienen

Während draußen die Landschaft der Anden, des südlichen Afrikas oder jene des östlichen Europas langsam an einem vorbeizieht, wird das finale Ankommen, die eigentliche Destination, zur Nebensache – denn an Bord der exklusivsten Züge der Welt erlebt man, was es heißt, wenn der Weg das Ziel ist.

17. Juni 2022


Es ist ein aufregender Moment, wenn der schrille Pfiff des Schaffners ertönt und sich der Zug langsam in Bewegung setzt. Während man es sich bequem macht, wechselt die Szenerie vor den Fenstern vom geschäftigen Bahnsteig zu den Ausläufern der Stadt, bevor abwechslungsreiche Landschaften das Panorama einnehmen.

Nachfolger des Orient-Express: Im 1982 auf Schiene gegangenen Belmond Venice Simplon-Orient-Express lebt das Flair vergangener Zeiten weiter. ©Belmond

 

SLOW TRAVELLING LIEGT IM TREND

Nachdem es in den letzten Jahren ja meist darum ging, so schnell wie möglich von A nach B zu kommen, haben Bahnreisen nun wieder Hochkonjunktur. Ganz im Zeichen von Slow Travelling, für mehr Achtsamkeit und Nachhaltigkeit, entscheiden sich immer mehr Menschen für einen Trip mit dem Zug. Dass man dabei auf Luxus nicht verzichten muss, dafür sorgte der amerikanische Industrielle George M. Pullman schon im Jahr 1867: Nur wenige Jahrzehnte nach der Erfindung der Eisenbahn schickte er die ersten Schlaf- und Speisewaggons auf Reisen, um den höheren Gesellschaftsschichten eine möglichst komfortable Fahrt zu ermöglichen – schließlich legte man damals unglaubliche Strecken mit der Bahn zurück.

Rollende Grandhotels: Der seit 1990 zwischen Tansania und Südafrika verkehrende Pride of Africa (li.) gilt als der luxuriöseste Zug der Welt. Für den Belmond Venice Simplon-Orient-Express (re.) kommen einige der Originalwaggons aus den 1920ern zum Einsatz. Er ist aktuell häufig auf eintägigen Reisen zwischen Städten wie London, Paris und Venedig unterwegs. ©DOOKPHOTO, Helen Cathcart

Pullman hat damit gleichzeitig einen Wettlauf um immer schönere, luxuriösere und modernere Ausstattung eröffnet, der bis heute anhält. Die Nase ganz weit vorne hatte dabei stets der Orient-Express, jener Zug, der ab 1883 zahlungskräftige Passagiere von Paris nach Konstantinopel (heute Istanbul) brachte und dem Agatha Christie mit ihrem Krimi „Mord im Orient-Express“ ein Denkmal gesetzt hat.

EINE FAHRENDE LEGENDE

Der Orient-Express war der erste Zug in Europa, der auch nach heutigen Maßstäben das Prädikat „Luxus“ verdient. Der „König der Züge und Zug der Könige“ passierte auf seinem Weg Städte wie Straßburg, Salzburg, Wien, Budapest, Belgrad und Sofia. An Bord waren tatsächlich nicht selten gekrönte Häupter, etwa König Leopold II. von Belgien und König Edward VIII. Heute gehört die „Marke“ Orient-Express zur renommierten Belmond-Ltd.-Gruppe.

Die inzwischen restaurierten Originalwaggons sind unter dem Namen Venice Simplon-Orient-Express (VSOE) einmal pro Jahr auf der historischen Route von Paris nach Istanbul und mehrmals wöchentlich auf unterschiedlichen Strecken durch Europa unterwegs – und auch ein bisschen durch die Zeit, denn die Garnituren und die Atmosphäre lassen die Goldenen 20er-Jahre wieder aufleben. Das heißt aber auch: Dusche gibt es an Bord keine, aber immerhin fließend Kalt- und Warmwasser – und einen Pianisten, der im Barwaggon am Klavier für musikalische Untermalung sorgt.

Rollende Grandhotels: Im Belmond British Pullman nehmen die Passagiere einen traditionellen High Tea ein, während der Zug durch die englische Landschaft tingelt. ©Belmond

Während die Gäste des Venice Simplon-Orient-Express die Nostalgie schätzen, legen andere Wert auf eine modernere Ausstattung. Das Beste aus beiden Welten vereint der Pride of Africa: Der Zug tingelt zwar ebenfalls im Look der 20er durch die Gegend, seine Waggons wurden aber erst in den 1990ern gebaut. Hier haben selbst die kleinsten, rund sieben Quadratmeter umfassenden Suiten eine Dusche, die größeren zusätzlich eine viktorianische Badewanne.

Das ist auch nötig, denn im Gegensatz zum VSOE, dessen längste Reise derzeit rund sechs Tage dauert, ist man im Pride of Africa bis zu 20 Tage unterwegs, etwa auf der rund 6.000 Kilometer langen Strecke von Daressalam in Tansania nach Kapstadt in Südafrika. Auf dieser Route ist die Safari im Wortsinn auf Schiene: Die Passagiere können den afrikanischen Kontinent und seine einmalige Tierwelt hautnah kennenlernen. Zugunsten der wunderschönen Natur ist der Pride of Africa besonders langsam unterwegs und verzichtet teilweise sogar auf Nachtfahrten.

Legende auf Schienen: 1883 ging der Orient-Express (heute: Venice Simplon-Orient-Express) auf Jungfernfahrt von Paris nach Konstantinopel, ins heutige Istanbul. Der Zug, dem Autorin Agatha Christie mit „Mord im Orient-Express“ ein Denkmal setzte, glänzt bis heute mit eleganter Ausstattung, vorzüglichem Essen und bestem Service. Einmal pro Jahr ist der Luxuszug auf der historischen Route unterwegs, mehrmals wöchentlich tourt er auf verschiedenen Strecken durch Europa. ©Belmond

Der Gegenentwurf zu sämtlichen Bildern, die man vor Augen hat, wenn man an einen Zug in Indien denkt, trägt den Namen Maharajas’ Express. Der Luxuszug ist in Nordwestund Zentralindien unterwegs; die seit 2010 eingesetzten Garnituren punkten mit besonderer Weitläufigkeit. Für rund 88 Gäste stehen fünf De-luxe-Waggons, sechs Juniorsuiten, eine Präsidentensuite und mehrere Bar- und Speisewaggons zur Verfügung. Anders als in den Nostalgiezügen gibt es hier WLAN und Fernsehen.

Sieben Mal in Folge brachte seine Ausstattung dem Maharajas’ Express den World Travel Award als „World’s Leading Luxury Train“ ein. Mindestens ebenso unvergesslich gestalten sich Reisen im Belmond Andean Explorer. Er bietet seinen Gästen ein modernes, von der peruanischen Kultur inspiriertes Ambiente, Gourmetküche und sogar einen Spa-Waggon. Während man sich auf Alpakawolle bettet, die Augen schließt und sich bei einer Massage verwöhnen lässt, ist man zwar immer noch unterwegs, aber gleichzeitig auch irgendwie angekommen.

©Belmond, Martin Scott Powell

DIE ZUKUNFTSMUSIK DER EISENBAHN

Nicht noch luxuriöser, dafür aber umso schneller sollen die Züge der Zukunft sein, zumindest in Asien: In Japan tüftelt man derzeit an Modellen, die eine durchschnittliche Reisegeschwindigkeit von über 360 km/h erreichen sollen. In Frankreich stellte der Designer Thierry Gaugain im Vorjahr seine Vision eines Luxuszugs vor: Der G-Train soll als „Palast auf Schienen“ aus 14 Waggons bestehen, 400 Meter lang sein und Platz für 18 Gäste bieten; Kino, ausklappbare Terrassen, Suiten und Gesellschaftsräume inklusive. Die Kosten sollen sich auf über 350 Millionen Dollar belaufen – Luxus auf Schienen eben.

Auf Zeitreise: Eine Fahrt im Luxuszug ist eine überaus stilvolle Angelegenheit – dafür sollte man sich auch entsprechend kleiden. © Belmond

Dieser Artikel erschien in der Falstaff TRAVEL Ausgabe Frühling 2022.

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